Ganzheitliches Sicherheitstraining im Vivantes Klinikum

Ganzheitliches Sicherheitstraining im Vivantes Klinikum

Gewalttätige Übergriffe gegenüber Pflegekräften nehmen weiterhin im klinischen Alltag zu. In sensibleren Bereichen wie zum Beispiel in diversen psychiatrischen Fachbereichen gehören Grenzsituationen und tätige Angriffe den Mitarbeitenden gegenüber zum Alltag.

Die Implementierung verschiedener Konzepte und Handlungsfelder, speziell entwickelt für psychiatrische Einrichtungen, können dabei Abhilfe schaffen, um Eskalation zu vermindern bzw. zu verhindern. Im Vivantes Klinikum Spandau gibt es insgesamt fünf psychiatrische Stationen, davon drei geschützte Bereiche, Gerontopsychiatrie, Suchtprävention und Allgemeinpsychiatrie. Übergriffe werden in Aggressionserfassungsbögen genau dokumentiert und ausgewertet. Im Jahr 2021 wurden 12 Übergriffe erfasst, im Jahr 2022 kam es zu mehr als doppelt so vielen Angriffen, mit insgesamt 27 Eskalationen.  Die Schwere der Ausschreitungen und Folgen variieren dabei zwischen leichten bis mittelschweren Verletzungen. In einer Situation kam es leider auch zu sehr schweren Verletzungen mit langem krankheitsbedingtem Ausfall der betroffenen Pflegekraft.

Die körperlichen Schäden beim Personal sind dabei meist zeitlich begrenzt, die psychische Belastung ist jedoch langwierig und sehr schwer. Diverse Angstzustände, Hilflosigkeit und Unsicherheiten sind nur kleine Spektren der beschriebenen Rückstände von körperlichen Übergriffen gegenüber Pflegenden.

Deeskalationstraining wird bereits seit vielen Jahren im Vivantes Klinikum Spandau angeboten und ist fester Fortbildungsstandard. Davon profitieren Mitarbeitende und Patient*innen gleichermaßen, jedoch zeigt die Verdoppelung der Übergriffe in diesem Jahr, dass die reine Deeskalation nicht zielführend ist.

Um Ausschreitungen mit Verletzungsfolgen minimieren zu können bedarf es nach interner Analyse zwei verschiedener Faktoren. Zum einen muss die stationäre patientennahe Umgebung sicher gestaltet werden. Flucht- und Rettungswege dürfen nicht durch Gegenstände, wie beispielsweise Untersuchungsliegen, leicht versperrt werden können, eine bewusste Platzierung außerhalb der Reichweite der Patient*innen ist ebenfalls zu beachten um eine Umfunktionierung als „Waffe“ zu verhindern. Ein weiterer wichtiger Punkt ist ein gut geschulter Selbstschutz bzw. Selbstverteidigung bei nicht greifender Deeskalation.

Zu beiden Themenfeldern hat sich die Pflegedirektion in diesem Projekt Unterstützung durch Fachexpert*innen aus den Bereichen Polizei, Psychologie, Pädagogik u.a. eingeholt. Das multiprofessionelle Team „Stark wie wir“ unter der Führung von Pascal Krischel, wird in den kommenden sechs Monaten engmaschig die Pflegekräfte der geschützten Bereiche im ganzheitlichen Sicherheitstraining unterweisen.

Dabei versteht man unter ganzheitlichem Sicherheitstraining „Gefahren zu erkennen, diese zu vermeiden und im Ernstfall auch abwehren zu können. Dadurch werden die Mitarbeitenden selbst sicherer, stärker und selbstbewusster. Dies wirkt sich enorm positiv auf das Arbeitsumfeld aus.“ (P. Krischel)

Weiterhin hat am 9. Dezember eine Sicherheitsbegehung und Umgebungsbetrachtung der geschützten Bereiche stattgefunden, um Gefahrenquellen zu minimieren. Themen der zukünftigen Schulungen sind unter anderem:

-         Körpersprache (lernen und lesen)

-         Gewaltprävention (Gewaltspirale / Ampelmodel)

-         Was könnte gefährlich werden?

-         Taktische Verhaltenskommunikation

-         Rechtsgrundlagen

-         Effektive, schnell erlernbare und umsetzbare Selbstverteidigungstechniken

-         Örtliche Begehung mit Gefahren (Schwachstellenanalyse - was kann in unserer Einrichtung denn alles gefährlich werden oder stellt eine Gefahr da?)

-         Rollenspiele

„Wir werden nach Beendigung der ersten Projektphasen die Ergebnisse analysieren und Teambefragungen durchführen. Bei positiver Resonanz des Projektes (wovon wir ausgehen), werden wir über eine weitere Ausrollung der Schulungsinhalte in der gesamten Psychiatrie abstimmen. Wir erhoffen uns zukünftig Hilflosigkeit und Angstzustände der Mitarbeitenden nachhaltig abbauen zu können und deren Arbeitsbedingungen zu optimieren. Pflegekräfte sind in diesen sensiblen Bereichen täglich schweren Ausnahmezuständen ausgesetzt und bedürfen daher einer speziellen Ausbildung.“ (K. Gernandt, Pflegedirektorin)

 

Ansprechpartnerin:

Kathleen Gernandt M. A.

Pflegedirektorin

Vivantes Klinikum Spandau

Neue Bergstraße 6

13585Berlin

Tel.: 030/13013 14 79

Mail: Kathleen.Gernandt@vivantes.de

Artikelrechte: Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH Aroser Allee 72-7613407 Berlin

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