Steigerung der Ausbildungsattraktivität durch praxisnahen Klinikunterricht – Park-Klinik Weißensee

Um die Qualität und Struktur der Ausbildung zu erhöhen, haben wir uns in der Park-Klinik Weißensee entschlossen den internen Klinikunterricht einzuführen. Unser Ziel im Klinikunterricht ist neben der Wissensvermittlung durch Praxisanleiter, Experten und Ärzte einen Raum für die Fragen und Fehlerbehebung unserer Auszubildenden zu schaffen.

Das, was im normalen und stressigen Stationsalltag untergeht, soll im Klinikunterricht in kleinen Gruppen Priorität haben: anschauliche Wissensvermittlung, Erfahrungsaustausch der Auszubildenden untereinander, Zeit für Übungen an Beispielen auch am Patientenbett.

Die Park-Klinik-Weißensee bildet mehr als 40 Auszubildende aus, aufgeteilt auf drei Ausbildungsjahre, in der Gesundheits- und Krankenpflege bzw. zum/r Pflegefachmann/-frau. Zusätzlich beginnen jährlich fünf Auszubildende eine Ausbildung zum/r Krankenpflegehelfer/in. Unsere Ausbildungskoordinatorin betreut die Auszubildenden individuell und unterstützt bei den Anleitungen auf den Einsatzstationen. Im Herbst 2020 haben wir mit den ersten Auszubildenden den Klinikunterricht in der Startphase der Ausbildung durchgeführt. Nun beginnen wir die Kliniktage während der weiteren Ausbildungszeit vorzubereiten. Perspektivisch sind zwei Klinikunterrichtstage pro Ausbildungshalbjahr während der gesamten Ausbildung geplant.

Eine gute Basis schaffen für den richtigen Start in die Ausbildung

Die Auszubildenden der generalistischen Ausbildung starten in die Praxis mit vier Einführungstagen, in denen der erste Klinikunterricht stattfindet. In den ersten Tagen der praktischen Ausbildung erfolgt die Wissensvermittlung zu den Themen Patientenbeobachtung, Pflegeprobleme sowie Erstellen einer Pflegeplanung.

Diese Themen wurden bewusst zu Beginn der Ausbildung gewählt, da unsere Erfahrung gezeigt hat, dass einige Auszubildende Schwierigkeiten haben Pflegeprobleme zu formulieren, auch wenn diese erkannt werden. Auch wenn das Erstellen einer Pflegeplanung nicht zur täglichen Routinearbeit in unserem Krankenhaus gehört, hilft es dem Auszubildenden sehr, den Pflegebedarf einzuschätzen, sowie die Priorisierung der Pflegeprobleme vorzunehmen.

Um den Fokus der Auszubildenden auf den wichtigen Schritt zu lenken und den Pflegebedarf zu ermitteln, erfolgt zunächst eine Wissensvermittlung zu Definition, Aufbau und Formulierung einer Pflegeplanung. Es wird eine Lernaufgabe inkl. Fallbeispiel verteilt, die eine schrittweise Erstellung einer Pflegeplanung erfordert. Im Anschluss folgt ein Austausch in der Gruppe, in dem jedes Pflegeproblem mit den dazugehörigen Ressourcen, Zielen und Maßnahmen diskutiert wird. Zudem werden Pflegerichtlinien, sowie Expertenstandards vorgestellt. Um das erworbene Wissen zu vertiefen, wird eine zweite Pflegeplanung anhand eines Fallbeispiels erstellt.

Das zweite Thema des Klinikunterrichts während der Einführungstage sind die Vitalzeichen. Auch hier erfolgt die Wissensvermittlung durch Praxisanleiter. Es werden „Stationen“ aufgebaut, an denen die Messung eines oder zwei Vitalzeichen intensiv geübt wird. Dazu steht der Gruppe der Auszubildenden ein Praxisanleiter zur Verfügung. Die Auszubildenden erhalten praxisnahe Aufgaben (z. B. „Laufen Sie zügig die Treppen hoch und messen Sie anschließend Ihren Puls. Begründen Sie diesen Wert.“), um physiologische und pathologische Abweichungen vom Normwert begründen zu können.

Des Weiteren konnte bereits der Klinikunterricht zum Thema Diabetes eingeführt werden. Es wurde durch unsere Diabetesberaterinnen ein Konzept zur Wissensvermittlung des komplexen Themas erarbeitet mit dem Ziel, die Inhalte dem Ausbildungsstand entsprechend zu vermitteln. Dieser Unterricht erfolgt dreimal in der Ausbildung. Im ersten Halbjahr wird Basiswissen zu Diabetes sowie die praktische Durchführung der Blutzuckermessung geübt. Im dritten Ausbildungshalbjahr werden die Ursachen und Wirkungen der Diabetesspätfolgen besprochen. Abschließend erfolgt im fünften Ausbildungshalbjahr die Wissensvermittlung zu Notfallsituation im Rahmen der Diabetes-Erkrankung.

Bereits vorbereitet und an vorherigen Kursen erprobt wurde der Unterricht zur Medikamentenberechnung. Dieser wurde von Fachschwestern/-pflegern der Intensivstation entwickelt. Die Praxisanleiter der Intensivstation führten mit den Auszubildenden der Gesundheits- und Krankenpflege eine Pflegevisite durch, die auch in der generalistischen Ausbildung einen Platz im Klinikunterricht findet.

Das Feedback der Auszubildenden, die an diesen Klinikunterrichtstagen bereits teilgenommen haben, ist sehr gut. Laut der Aussage der Auszubildenden fühlen sie sich gut für die erste Zeit in der Praxis vorbereitet.

Dranbleiben, auch während der Ausbildung

Aufgrund der guten Rückmeldung unserer Auszubildenden sind wir sehr motiviert den weiteren Klinikunterricht während der Ausbildung konkret zu planen. Dazu werden sowohl Auszubildende als auch Praxisanleiter einbezogen. Die Auszubildenden werden nach Wünschen zu möglichen Themen befragt. Oft sind das Tätigkeiten, die eventuell im stressigen Stationsalltag nicht die gewünschte Aufmerksamkeit erhalten, wie „Richten der Medikamente“ oder „Vorbereitung von Infusionen“. Praxisanleiter werden gefragt, welche Themen ausihrer Sicht besonders relevant sind.

Geplant ist u.a. die sogenannte „Kompetenzüberprüfung“ durch unsere Hygienefachkräfte, d.h. eine Hygienefachkraft schaut einem Auszubildenden bei einem Verbandswechsel zu und evaluiert mit ihnen gemeinsam die Stärken und Schwächen.

Der Bereich der Physiotherapie soll einen festen Platz im Unterrichtszeitplan erhalten. Das Ziel ist hier den Auszubildenden zeitnah das rückenschonende Arbeiten, sowie Therapiekonzepte wie „Bobath“ näher zu bringen.

Auch Ärzte haben sich bereit erklärt an dem Klinikunterricht mitzuwirken. So können fachspezifische Themen in Ruhe besprochen werden und eventuell entwickelt sich bei den Auszubildenden eine Präferenz oder Interesse für ein Fachbereich bezüglich der späteren beruflichen Karriere. Geplant und organisiert wird der Klinikunterricht durch die Ausbildungskoordinatorin in Zusammenarbeit mit unseren Praxisanleitern.

Unser Dank gilt allen Kollegen für die Zusammenarbeit an diesem Projekt. Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit den Auszubildenden. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir damit die Qualität sowie die Attraktivität der Ausbildung steigern können.

Ewa Kropp, Koordinatorin der praktischen Ausbildung in der Park-Klinik Weißensee, ewa.kropp@park-klinik.com

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