Weiterentwicklung Digitalisierungsstrategie 2026
© Copyright: Adobe Stock / sdecoretDigitalisierungsstrategie_Einleitung

Die Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie 2026 setzt den Rahmen, um bis 2030 ein menschenzentriertes, digital gestütztes Gesundheitsökosystem zu etablieren, das Versorgungsqualität, Effizienz und Patientensouveränität auch in der Pflege messbar steigert. Ausgangspunkt sind spürbare Fortschritte: die „ePA für alle“ für rund 74,5 Mio. gesetzlich Versicherte, das E‑Rezept als Versorgungsstandard mit über 1 Mrd. Einlösungen, steigende Videosprechstunden, die GesundheitsID (bereits etwa 4,5 Mio. Nutzende) sowie das 2025 eröffnete Forschungsdatenzentrum (FDZ) Gesundheit als zentrale Datenanlaufstelle. Die Bundesregierung erhofft sich davon eine digitalere, effizientere Pflege für alle Patientengruppen in Deutschland.

 Im Kern priorisiert die Strategie drei Handlungsfelder:

  1. Personenzentrierte, digital unterstützte Versorgungsprozesse (u. a. digitale Ersteinschätzung, eÜberweisung, ausgebautes Terminmanagement, 100 % elektronische Arztbriefe bis Ende 2027 und ein Pflege‑Cockpit als einheitlicher Zugang)
  2. Hochwertige, interoperable Daten für Versorgung und Forschung (EHDS‑Mitgestaltung, strukturierte ePA‑Datenflüsse, sichere Verarbeitungsumgebungen, ≥ 300 FDZ‑Projekte bis Ende 2026)
  3. nutzenorientierte Technologien inklusive einer stabilen, nutzerfreundlichen TI mit mobiler Nutzung, TI 2.0 und sicherer Cloud‑Fähigkeit. Messbare Ziele schärfen die Umsetzung: +35 % digitaler Reifegrad der Kliniken gegenüber 2021, KIM‑Nutzung in der Pflege ab 2027, > 70 % Einrichtungen mit KI‑gestützter Dokumentation bis 2028, Anbindung zentraler Infrastrukturen an den EHDS bis 2028 sowie ≥ 20 Mio. aktive ePA‑Nutzer:innen mit mindestens sieben strukturierten Anwendungsfällen bis 2030. Diese Ziele sind ambitioniert, aber bei konsequenter Umsetzung der Digitalisierungsstrategie im Jahr 2026 realistisch.

In der Pflege wird KI dort eingesetzt, wo Versorgungsqualität, Sicherheit und Entlastung für Teams und Angehörige unmittelbar steigen – etwa beim Sturz‑ und Vitalmonitoring, bei der sprach‑/KI‑gestützten Pflegedokumentation (Zielbild: bis 2028 in > 70 % der Einrichtungen Standard) sowie bei Anamnese und Übergaben; die „ePA für alle“ dient dabei als Datendrehscheibe für nutzbare, strukturierte Informationen. Damit aus dem Potenzial auch gelebter Pflegealltag wird, braucht es genau die Stellhebel, die die Strategie adressiert: stabile, sichere TI in Pflegeeinrichtungen (inkl. mobilem TI‑Zugang), verbindliche Interoperabilität (FHIR/Terminologien) auch für Pflege‑Daten, strukturierte Datenerhebung und ePA‑Integration, klare KI‑Leitplanken (Reallabore, Konformitäts‑Blueprints) sowie Qualifizierung und zielgruppengerechte Kommunikation, damit Pflegebedürftige, An‑ und Zugehörige und Teams die Mehrwerte im Alltag spüren. Praktisch heißt das für Einrichtungen: digitale Basis absichern (TI‑Stabilität, ePA‑Zugriff, KIM einführen und auf die vollelektronische Abrechnung ab 01.10.2027 vorbereiten), wenige High‑Impact‑Prozesse konsequent umstellen (100 % elektronische Arztbriefe bis Ende 2027, eÜberweisung/Anmeldung, digitaler Medikationsprozess mit Wechselwirkungscheck)und KI‑gestützte Dokumentation pragmatisch pilotieren. Für Pflegekassen und Register: Pflege‑Cockpit und GesundheitsID vorantreiben, damit Informationen, digitale Anträge und Identitäten an einem Ort zusammenlaufen, und Datenwege von Beginn an interoperabel und sicher planen. Kurz: Die Weichen sind gestellt – jetzt zählt Skalierung im Pflegealltag durch Priorisieren, Standardisieren und konsequentes Umsetzen.

 

Verfasser: Burak Boyaci — Referent IT, Statistik & eHealth, Berliner Krankenhausgesellschaft

Artikel lesen

Tags in diesem Artikel