Im Gespräch mit... bulgarischen Pflegekräften aus den Alexianer St. Hedwig Kliniken

Von einer Pflegefachkraft in Bulgarien zurück zu einer Pflegehilfskraft in Deutschland

Die Berliner Krankenhausgesellschaft hat bulgarische Pflegekräfte nach ihren persönlichen Erfahrungen des beruflichen Neuanfangs in Deutschland befragt:

Wie haben Sie Ihren Neuanfang in der Pflege in Deutschland wahrgenommen? Wurden Sie von Ihrem Arbeitgeber/ Ihrem Team gut aufgenommen? Welche Reaktionen haben Sie erhalten und welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche Unterstützung haben Sie vermisst?

Frau Asenova: Ich war sehr aufgeregt und neugierig. Die Firma hatte mir eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt. Jetzt suche ich nach einer eigenen Wohnung. Das ist sehr schwer. Die Kollegen sind wie eine Familie für mich. Die Chefs sind wie gute Eltern. Alle haben mir sehr geholfen. (Silvija Asenova, geb. in Dobritsch, Bulgarien)

Frau Harizanova: Vom Arbeitgeber wurde ich sehr gut aufgenommen. Man hat mir bei der Fahrt nach Berlin, bei den Dokumenten und vor allem bei der Suche nach einer Wohnung geholfen. Die Kollegen sind sehr nett. Allerdings wundern sie sich, was ich alles machen möchte. Fast nichts von dem, was ich gelernt habe, darf ich in Deutschland anwenden. (Sevdalina Harizanova, geb. in lsperich, Bulgarien)

Frau Ibryamova: Mein Arbeitgeber hat mir für den Anfang eine Wohnung gegeben. Jetzt suche ich nach einer eigenen Wohnung. Die Einarbeitung war gut. Ich habe schon an Fortbildungen teilgenommen. Ich möchte mehr Visite mit Ärzten machen, aber das gibt es in meinem Beruf in Deutschland nicht. (Ayse Gülay lbryamova, geb. in Istanbul, Türkei)

Welche Erfahrungen haben Sie mit Patient/-innen/ Bewohner/-innen und Ihrem persönlichen Umfeld gemacht?

Frau Asenova: Ich arbeite zum ersten Mal in der Altenpflege. Älteren, pflegebedürftigen Menschen bin ich zuvor nicht begegnet. Das ist sehr schwer für mich. Viele Bewohner/-innen haben niemanden aus ihrer Familie, die sich um sie kümmern. Das kenne ich nicht, und das ist sehr traurig.

Frau Harizanova: Ich arbeite nur in Wohngemeinschaften. Die Menschen dort sind dement. Vorher habe ich in einem Krankenhaus gearbeitet. Ich kenne es nicht, dass man sich mit den Patient/-innen gar nicht verständigen kann. Ich habe noch keine Freunde gefunden, aber das hat Zeit.

Frau Ibryamova: Die Patient/-innen sind sehr dankbar. Die Angehörigen haben oft Illusionen. Manche Familien glauben nicht, dass ich etwas kann, weil ich nicht in Deutschland studiert habe.

Welche formalen Voraussetzungen und Hürden gab es für den Neuanfang? Haben Sie Unterstützung hierfür benötigt und erhalten? Stichworte: Aufenthaltsstatus, Arbeitserlaubnis, Visum, Anerkennung der Berufsqualifikation, Sprachzertifikate, Wohnsitz- und Meldefragen.

Frau Asenova: Ich bin jetzt seit zwei Monaten in Berlin und konnte mich noch nicht anmelden. Man bekommt keine Termine beim Bürgeramt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas in Deutschland möglich ist. Der Rest war einfach, weil ich EU-Bürgerin bin.

Frau Harizanova: Die Dokumente waren alle organisiert. Da ich die bulgarische Staatsbürgerschaft habe, hatte ich nicht die Probleme, die andere Kollegen hatten.

Frau Ibryamova: Ich bin Bulgarin, bei mir war alles einfach.

Haben Sie Ihre Ausbildung in Deutschland absolviert oder einen internationalen Abschluss in der Gesundheits- oder Krankenpflege? Welche persönlichen Erwartungen an den Pflegeberuf werden mit Ihrer Tätigkeit in Deutschland erfüllt, welche nicht?

Frau Asenova: Ich habe ein Pflegestudium in der Türkei abgeschlossen. Im Pflegeheim übt eine Pflegefachkraft Tätigkeiten aus, die in Bulgarien von einer Hilfskraft erledigt werden. Das ist sehr schade. Die deutschen Kollegen sind ein bisschen neidisch darauf, welche Aufgaben in Bulgarien von Hilfskräften ausgeführt werden dürfen. Ich rede jetzt nicht mehr darüber.

Frau Harizanova: Ich habe in der Türkei vier Jahre studiert.  Der Abschluss ähnelt dem Nursestudium in Amerika. Die Aufgaben sind anders als die einer Krankenschwester. Was die deutschen Kollegen machen, ist altmodisch. Ich bin sehr enttäuscht, dass ich nichts selbst entscheiden darf. Alles entscheidet der Arzt.

Frau Ibryamova: Ich habe einen türkischen Abschluss. In Deutschland arbeite ich unter meinem Niveau. In Bulgarien und in der Türkei haben die Pflegefachkräfte ihren eigenen Bereich, in dem sie entscheiden dürfen. In Deutschland hat man gar nichts zu sagen, auch nicht im Krankenhaus. Alles, was interessant ist, entscheiden die Ärzte.

Sind Sie zufrieden mit Ihrer Tätigkeit als Pflegekraft in Deutschland? Was könnte Deutschland verbessern?

Frau Asenova: Die Stadt ist schön. Ich verdiene viel.

Frau Harizanova: Ich bin sehr zufrieden mit meinem Gehalt und den Kollegen. Was ich gelernt habe, kann ich hier aber nicht anwenden.

Frau Ibryamova: Ich bin erst seit einem Monat in Berlin. Man hat hier ein freies Leben. Ich habe ein gutes Gehalt. Aber ich vermisse meine Arbeit.

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