Akquise von ausländischen Fachkräften

Rekrutierung Vietnam im Bereich Ausbildung

"Die Vivantes Hauptstadtpflege ist in ganz Berlin aktiv. Wir betreiben 18 Pflegeinrichtungen, darunter drei Kurzzeitpflegen, mit 2.337 stationären Pflegeplätzen und ca. 1.700 Mitarbeiter/-innen.

Der immerwährende Personal- und Fachkräftemangel hat uns bereits früh veranlasst Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren. Begonnen hat es 2013 mit einem Pilotprojekt des Bundesministeriums für Wirtschaft. Seinerzeit sind 61 vietnamesische Fachkräfte über das Projekt vermittelt worden und haben eine Ausbildung bei der Vivantes Hauptstadtpflege abgeschlossen.

Direkte Abwicklung durch eigenständige Kooperation

Seit 2015 hat sich daraus eine eigenständige Kooperation mit den entsprechenden vietnamesischen Behörden und dem Goethe Institut entwickelt. Das Goethe Institut ist unser verlässlicher Partner in Vietnam, für den 12-monatigen deutschen Sprachkurs mit abschließender Prüfung sowie das Vermitteln kultureller Gepflogenheiten. In speziellen Unterrichtseinheiten werden die jungen Menschen zusätzlich auf das Leben in Deutschland vorbereitet.

Der an die Geschäftsführung angegliederte Bereich Recruiting Ausland hält strukturell und strategisch alle Fäden in der Hand. Bereits 542 junge Menschen aus Vietnam konnten für eine Ausbildung im Bereich der Altenpflege gewonnen werden. Viele sind als ausgebildete Pflegefachkräfte in unseren Häusern geblieben. Am 25. September 2021 sind die neuen vietnamesischen Auszubildenden in Berlin eingereist und haben ihre Ausbildung zum 1. Oktober 2021 begonnen.

In diesem Jahr haben wir eine Ausbildungs-Landingpage auf Vietnamesisch aufgesetzt, um noch gezielter für unser Projekt und unser Unternehmen werben zu können. https://www.vivantes-hauptstadtpflege-berlin.com/

Strukturierte Prozesse sind die Basis

Es ist ein langfristiger, strukturierter Prozess notwendig und bedarf einer gründlichen Organisation sowie Vorbereitung, bis die jungen Menschen einreisen können.

Beginnend mit den Auswahlgesprächen vor Ort, die während der Corona-Pandemie als Videokonferenz stattgefunden haben, überprüfen wir in persönlichen Gesprächen die fachlichen und persönlichen Kompetenzen sowie Fähigkeiten. Die Bewerber/-innen haben in Vietnam ein Studium in der Gesundheits- und Krankenpflege absolviert. Im persönlichen Gespräch zeigt sich dann auch mit welcher Motivation die Bewerber/-innen nach Deutschland kommen möchten und ob sie bereits über erste Vorkenntnisse in der Altenpflege verfügen.

Bereits ein Jahr vor der endgültigen Einreise beginnt das Recruiting Team auch mit der Organisation aller notwendigen Einreisevorkehrungen nach Deutschland. Dazu gehören u. a. die Erstausstattung der Wohnplätze in Wohngemeinschaften, die Unterstützung bei der Visa-Beantragung und der Arbeitsmarktzulassung sowie alle weiteren Einreise relevanten Themen. Zudem werden alle notwendigen Grundlagen für das Leben und Arbeiten in Deutschland geschaffen. Auch nach der Einreise, wie beispielsweise die Anmeldung beim Bürgeramt und bei der Krankenkasse.

Teams Recruiting und Ausbildung sind immer da

Die Teams der Bereiche Ausbildung und Recruiting begleiten die zukünftigen Auszubildenden auf ihrem gesamten Weg. Die persönliche Abholung am Flughafen und Begleitung in die Wohnungen oder die Unterstützung beim Nutzen der öffentlichen Verkehrsmittel sind nur einige wichtige Bereiche, in denen wir unterstützen.

Bei einer Willkommensveranstaltung mit anschließendem Dokumenten-Workshop werden alle organisatorischen Dinge der Einführungswochen besprochen. In speziell organisierten Wochenendaktivitäten durch die Einrichtungen, lernen die neuen Auszubildenden die Einrichtungen, ihr Arbeitsumfeld und ihre neuen Kolleg/-innen kennen.

Das Team der Lebensbegleitung besucht die Auszubildenden in regelmäßigen Abständen in ihrer Wohnumgebung, um mit ihnen über aktuelle Themen und Bedürfnisse sprechen zu können.

Die sprachliche Weiterqualifikation ist enorm wichtig und findet ausbildungsbegleitend statt.

Rekrutierung Mexiko im Bereich Anerkennung

Neues Land durch Pilotprojekt

2019 hat die Vivantes Hauptstadtpflege ein Pilotprojekt mit der zentralen Arbeits- und Fachvermittlung im Land Mexiko durchgeführt, um junge Menschen mit abgeschlossenem Studium der Gesundheits- und Krankenpflege für das Unternehmen zu gewinnen.

In diesem Fall durchlaufen die Teilnehmer/-innen in Deutschland anstelle einer Ausbildung einen 10- bis 12-monatigen Anerkennungsprozess, um fehlende Kenntnisse und Defizite auszugleichen, den sie mit einer Kenntnisprüfung abschließen.

Erstmalig sind 27 junge Mexikaner/-innen für die Berufsanerkennung zur/m Pflegefachfrau/-mann nach Deutschland gekommen.

Nach den Auswahlgesprächen haben die Teilnehmer/-innen mit einem Sprachkurs an einer renommierten Sprachschule in Mexiko begonnen. Um mit ihnen auch während dieser Zeit in ständigem Kontakt zu bleiben und eine engere Bindung zum Unternehmen aufzubauen, wurden monatliche Zoom-Meetings angesetzt. So hatten sie die Möglichkeit Fragen zu stellen, sich über das neue Leben in Deutschland zu erkundigen und sich mit ihren Ansprechpartner/-innen aus dem Team Lebensbegleitung auszutauschen.

Die bewährten strukturierte Prozesse sind auch hier die Basis

Währenddessen wurde in Deutschland die Einreise der neuen Kolleg/-innen intensiv vorbereitet. Dazu gehört, genau wie beim Vietnam-Projekt, die Unterstützung bei der Visa-Beantragung, das Vorbereiten der Wohnplätze, die Anmeldung bei einer Krankenkasse, das Einrichten eines deutschen Bankkontos sowie alle notwendigen Unterlagen für ein Leben und Arbeiten in Deutschland. Die Einrichtungen sind durch ein interkulturelles Training auf die zukünftigen Kolleg/-innen aus Mexiko vorbereitet worden.

Die beiden Teams Recruiting und Ausbildung begleiten auch die mexikanischen Kolleg/-innen auf dem gesamten Weg und stehen ihnen stets zur Seite. Sie leiten an, beraten und unterstützen. So auch bei Sprachdefiziten oder auch dann, wenn es mal nicht um Berufliches geht. Bei Konflikten auf den Wohnbereichen sind die Praxisanleitenden Unterstützung und vertrauensvolle Zuhörer/-innen.

Die Fachkompetenzen erlangen die Teilnehmer/-innen im Anpassungskurs und in ihren Praxiseinsätzen.

Immer montags werden digital fleißig die noch fehlenden theoretischen Anteile gelernt und dann in der restlichen Woche praktisch umgesetzt und vertieft. Dabei werden sie durch die Praxismentoren angeleitet, unterstützt und auf die zukünftigen Aufgaben einer Pflegefachkraft vorbereitet. Nach sechs bis neun Monaten sind die Teilnehmer/-innen bereit für die praktische und mündliche Kenntnisprüfung. Nach bestandener Prüfung bekommen sie ebenfalls ein Anstellungsangebot als Pflegefachkraft in einer unserer Einrichtungen.

Die mexikanische Pflegfachkraft Tania ist 29 Jahre alt und schildert ihre persönlichen Erfahrungen:

„Ein Ausländer kennt die Bräuche und sozialen Aspekte der deutschen Kultur zunächst nicht. Zum Beispiel: Was mögen die Deutschen zum Frühstück? Dies waren einige der Barrieren, mit denen eine Pflegekraft am Anfang konfrontiert war. Aber im Laufe der Tagn lernt man die deutsche Kultur besser kennen, lernt seine Bewohner/-innen kennen und entwickelt eine gute Erfahrung in der Fürsorge für sie. All dies wird bereichert, wenn man mit einem vereinten, humanen und engagierten Team zusammenarbeitet, das einen im Anpassungsprozess begleitet.“

„Während des gesamten Prozesses seit meiner Auswahl für Deutschland fühle ich mich weiterhin von meinem Arbeitgeber, den Kolleg/-innen und Vorgesetzten sowie von allen an diesem Prozess beteiligten Organisationen unterstützt, betreut und beraten.

Ich habe das Gefühl, für ein Unternehmen zu arbeiten, das sich seinen Mitarbeiter/-innen voll und ganz verpflichtet fühlt.“

 

Interkulturelle Integration ist besonders wichtig

Integration beginnt für uns nicht erst bei der Einreise der neuen Kolleg/-innen, sondern setzt ab dem Tag des Bewerbungsgespräches ein. Um sie auf das komplett neue Leben in einem anderen Land und der neuen Kultur vorzubereiten, werden die Teilnehmer/-innen bereits in ihren Heimatländern auf Deutschland, den Sitten und Bräuchen sowie geliebten Traditionen vorbereitet. Auch was die tägliche Arbeit in der Altenpflege bedeutet. Der Austausch findet beispielsweise durch eine digitale Family-Session mit den Familien der Teilnehmer/-innen statt.  

Parallel finden eine gute Vorbereitung sowie ein regelmäßiger Austausch mit den Kolleg/-innen in unseren Einrichtungen statt. Dabei geht es auch um das Verstehen einer vielleicht fremden Kultur und daraus resultierendem Verhalten bei der Arbeit und das Lösen eventueller Vorbehalte. Das fördert und begünstigt die gemeinsame Zusammenarbeit und einen freundlichen Umgang miteinander.

Die Integrationsarbeit trägt einen maßgeblichen Anteil dazu bei, dass sich ausländische Kolleg/-innen im neuen Land wohlfühlen, willkommen heißen und bleiben möchten."

 

Madlen Franz, Recruiting Ausbildung der Vivantes Hauptstadtpflege, madlen.franz@vivantes.de

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