Learning by doing: Bethel Berlin überlässt einen Monat lang Pflegestation den Auszubildenden – mit überragend praxisnahem Erfolg

Lizenz zum Handeln: Die vierwöchige Schülerstation

Best-Practice für die Pflegeausbildung am Krankenhaus Bethel Berlin


Einen Monat lang wurde die Station 2 am Krankenhaus Bethel Berlin von Auszubildenden für Gesundheits- und Krankenpflege geführt und in den sozialen Netzwerken begleitet. Ein bewährtes Projekt, das auch für andere Wirtschaftszweige interessant sein sollte.

Im September 2020 haben 32 Auszubildende der Wannseeschulen für Gesundheitsberufe den pflegerischen Betrieb einer gesamten Station am Krankenhaus Bethel Berlin gewährleistet. Tag und Nacht in der Geriatrie. Eine besondere Herausforderung – emotional wie pflegerisch – wie die Pflegerische Geschäftsführerin Irina Zöhner weiß: „Wir haben uns ganz bewusst für eine Station der Altersmedizin entscheiden. Hier treffen die Auszubildenden auf Patienten, die ihre Großeltern sein könnten und deren vielfältige Krankheitsbilder demographiebedingt immer häufiger auftreten werden.“ Und tatsächlich hat dieses Generationentreffen nun schon in der sechsten Schülerstation im Krankenhaus Bethel Berlin sehr gut funktioniert: Die Pflegeazubis haben menschlich und fachlich einen wunderbaren Job gemacht. Der Pandemieverlauf hatte zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise kaum einen Einfluss auf die Stationsabläufe. Zwei Monate später wäre dieses einmalige Praxisprojekt auch im Lichterfelder Level-3-Krankenhaus nicht mehr durchführbar gewesen.

Gewachsene Projekt-Erfahrung aus Jahrzehnten

Das Projekt „Schülerstation“ wurde schon 2001 an den Wannseeschulen etabliert und das Krankenhaus Bethel Berlin ist nahezu von Beginn an der Entwicklung beteiligt. In einem der umfangreichsten Praxisprojekte der deutschen Ausbildungslandschaft werden die Pflege-Azubis besonders gefordert: sie erwerben in Früh-, Spät- und Nachtschicht gebündelt praktische und soziale Kompetenzen. Die Abstimmung zwischen Schule und Klinik beginnt dazu sechs Monate im Voraus. Die Schüler/-innen bereiten sich in drei Gruppen zu den Themen „Dienstplanschreibung“, „Kommunikation / Stimmungsbarometer / Portfolio“ und „Aktuelle Krankheitsbilder der Station“ vor. Schließlich lernen sie das Krankenhaus während eines Einführungstags vor Ort kennen und dann geht es los… Auf die Übernahme des Stationsbetriebs an einem etwas ruhigeren Tag, zum Beispiel einem Sonntag, folgt eine zweiwöchige Einarbeitungsphase. In dieser Zeit durchlaufen die Auszubildenden einmal alle Schichten, um in den folgenden ein bis zwei Wochen gewisse Handlungskompetenzen erzielen zu können. Gerade in der Geriatrie des Krankenhauses Bethel Berlin ist ein besonderer Wissenstransfer möglich: Die Station bietet - wie die gesamte Klinik - eine starke, gewachsene Praxisanleiter/-innen- Struktur, bringt eine langjährige Erfahrung mit den Schülerstationen ein und ermöglicht den Schüler/-innen eine umfangreiche Schnittstellenarbeit – z.B. im Bereich der Seelsorge und dem Sozialdienst. Gleichzeitig schenkt die geriatrische Komplexbehandlung Einblicke in ein Vielzahl von Krankheitsbildern.

Persönlicher Mehrwert für Lernende und Klinikmitarbeitende

Dabei wird die Binsenweisheit, wie wichtig Teamarbeit ist, ganz praktisch und manchmal auch schmerzhaft erfahrbar. Yves Borrmann, Bereichsleitung Pflege: „Wir haben die Azubis natürlich umfangreich auf die Zeit bei uns vorbereitet. Aber sie haben schnell erkannt, dass die komplexen Pflegeaufgaben und umfangreichen Dokumentationspflichten nur Hand in Hand zu bewältigen sind.“ Die Stationsmitarbeitenden stehen im Hintergrund immer mit Rat und Tat zur Verfügung und lassen den jungen Helfer/-innen gleichzeitig Raum für frische Ideen. Der langjährige Krankenpfleger und Praxisanleiter Borrmann freut sich bei jeder Schülerstation neu auf diesen Input: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass eingeschliffene Arbeitsabläufe teilweise sogar positiv beeinflusst werden können.“ Nach aktuellen Studien ist es neben flexiblen Arbeitszeiten für Berufsanfänger in der Pflege entscheidend, in einem wohlwollenden Team ernst genommen und gefordert zu werden. Neben zahlreichen Feedbackgesprächen werden die Teilnehmenden der Schülerstation mit einem arbeitsbegleitenden Praxisauftrag sogar positiv darin bestärkt, der Station und den Projektverantwortlichen ihre Sicht bestimmter Arbeitsabläufe und –inhalte näher zu bringen: In einem Portfolio sammeln sie Informationen zu einem selbstgewählten Thema und präsentieren es während der Abschlussveranstaltung den Mitlernenden und den Stationmitarbeitenden. In vielen Fällen ergibt sich hier ein Learning und Entwicklungspotential für die Krankenhausarbeit.

Fanny Lehmann, Pädagogin und Koordinatorin des Projekts für die Wannseeschulen am Krankenhaus Bethel Berlin: „Die Schülerstationen bringen nach anfänglichem positiven Chaos im Endeffekt immer einen Motivationsschub für das letzte Lehrjahr. Mit unserem Modell erproben die Auszubildenden am Ende der Berufsausbildung verschiedene Kompetenzen im geschützten Rahmen. Diverse Ausbildungsbetriebe experimentieren mit dieser Art von Praxiseinsatz, trotzdem ist er noch nicht sonderlich weit verbreitet und wird nicht so umfänglich durchgeführt wie hier am Krankenhaus Bethel Berlin. Ob Pflegefachperson, Bäcker oder Einzelhandelsverkäufer - in jeder Ausbildung sollte es so ein fest etabliertes Projekt von mindestens vier Wochen Dauer geben; damit die Azubis alle Phasen der Teambildung erleben können.“

Die Schülerstation – Veranwortung, Teamwork, Wertschätzung

Social Job – Die Schülerstation auf allen Kanälen

Die Schüler/-innen haben dabei nicht nur die Station übernommen, sondern durften als erster Jahrgang völlig unzensiert die Social Media-Kanäle der Klinik bespielen - organisatorisch und technisch begleitet durch das Referat Kommunikation. Die Community der Instagram- und Facebook- Accounts war live dabei, als das Stationsteam die Azubis begrüßte und per virtuellen Rundgang über durch die Räumlichkeiten geführt hat, als der erste Nachtdienst poetisch verarbeitet wurde, als Reanimationsübungen zu TikTok-Memes wurden, in stressigen Feedbackrunden ein besseres Verständnis füreinander entwickelt wurde, wenn Stationsleitungen im Live-Interview ihre Erfahrungen resümieren. Im Klinikpodcast „Zu Tisch mit Schwester Henrike“ erfuhren hunderte Hörer, warum die projektverantwortliche Pädagogin Fanny Lehmann ihren Beruf liebt und wie die Auszubildende Denise Hoffmann (die mittlerweile das Pflegeteam des Krankenhauses Bethel Berlin verstärkt) Schülerstation und Ausbildung zu Pandemiezeiten erlebt. So ist die Energie dieses Praxisprojekts und die Freude an der herausfordernden Verantwortung für die Patient/-iinnen und für die Stimmung im Team bis heute in kleinen Ausschnitten auf www.facebook.com/krankenhausbethelberlin und instagram.com/krankenhausbethelberlin spürbar. Die nächste Schülerstation plant die Wannseeschule für Gesundheitsberufe für den Frühsommer 2022.

Social Schülerstation transparent auf Instagram – mal himmelhochjauchzend, mal angestrengt.

Stefanie Bade, Koordinatorin Praxisanleitung, Stefanie.Bade@BethelNet.de

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